Adipositas-Epidemie – Therapien und Prävention konsequent ganzheitlich denken

Stellungnahme zum Positionspapier der Leopoldina zur Eindämmung der Adipositas-Epidemie in Deutschland

Ohne die ganzheitliche Betrachtung der Patientinnen und Patienten wird das empfohlene Maßnahmenpaket der Leopoldina gegen die Adipositas-Epidemie nicht zu erfüllen sein. Psychotherapie und qualifizierte Ernährungsberatung sind entscheidende Faktoren zur Stärkung der Prävention und Therapie der Adipositas.

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat einen Policy Brief zu Adipositas veröffentlicht, der umfangreiche Maßnahmen zur Prävention und Therapie der Adipositas und den daraus resultierenden schweren Folgeerkrankungen empfiehlt.

Begrüßenswert sind die Maßnahmen, die klar an die Politik als Verantwortlicher gerichtet werden, in dem regulatorische Maßnahmen wie Abgaben auf stark zucker- oder fetthaltige Lebensmittel empfohlen werden. Diese Maßnahmen sind aufgrund ihrer positiven Auswirkungen auf die Reduktion von Übergewicht längst überfällig und werden von der Politik viel zu zurückhaltend diskutiert. Auch ist das Maßnahmenpaket zur Adipositastherapie positiv zu sehen, da deutlich wird, dass es nicht „die eine Ursache“ und somit auch nicht „die eine Lösung“ gibt.

Die Prävention und Therapie von Adipositas muss ganzheitlich gedacht werden

Aus psychosomatischer Sicht ist es entscheidend, Prävention und Therapie konsequent ganzheitlich zu verstehen und strukturelle, soziale und individuelle Faktoren mitzubetrachten. „Neben somatischen Faktoren nehmen psychische Erkrankungen und Belastungen, Stress, Stigmatisierung in Bevölkerung und Medizin, soziale Ungleichheit sowie die (Ess-) Biografie maßgeblich Einfluss auf die Entstehung und Aufrechterhaltung von Adipositas“, erklärt Marina Siebers, Ernährungswissenschaftlerin, M.Sc und Ernährungsberaterin (DGE-Zertifiziert).  

Daher sind Psychotherapie und die qualifizierte Ernährungsberatung ein wichtiger Teil einer konsequent ganzheitlichen Therapie gegen Adipositas.„Die Bedeutung und Chancen der Psychotherapie und der qualifizierten Ernährungsberatung wird in dem Policy Brief aber nicht deutlich genug herausgearbeitet“, betont Jochen Timmermann, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie ärztlicher Leiter. „Die qualifizierte Ernährungsberatung kann neben der Psychotherapie sowohl präventiv als auch therapeutisch eingesetzt werden und geht schon lange über eine reine Wissensvermittlung hinaus. Sie kann den Menschen individuell, alltagsnah und ressourcenorientiert unterstützen und nutzt dabei psychologische und verhaltensorientierte Ansätze“, so Timmermann.

Ernährungsberatung als Heilmittel anerkennen

„Solange die qualifizierte Ernährungsberatung keine Anerkennung als Heilmittel erfährt und Ärztinnen nicht die Möglichkeit bekommen, diese umfangreich und bedarfsgerecht zu verordnen, wird das empfohlene Maßnahmenpaket der Leopoldina nicht zu erfüllen sein“, unterstreicht Dr. oec. troph Stefanie Rieper, Ernährungsberaterin (DGE-Zertifiziert).  

Eine Anerkennung als Heilmittel würde beim aktuellen Engpass in der psychotherapeutischen Versorgung nicht nur die Versorgungslage deutlich verbessern, sondern auch die im Policy Brief gewünschten und nicht klar formulierten frühzeitigen Interventionen erarbeiten und ermöglichen.

Cuxhaven, 29. Januar 2026

Quellen: Leopoldina Fokus, Prävention stärken & neue Therapieansätze nutzen: Wie lässt sich die Adipositas-Epidemie eindämmen?, https://www.leopoldina.org/fileadmin/Daten/Publikationen/Dokumente/2026_Leopoldina_FOKUS_Adipositas.pdf